Die Tagung war anstrengend. Aber sie war gut! So gut! Wir als Team waren einfach umwerfend, wenn ich so viel Selbstlob mal geben darf. Mein schwuler Kollege, der schon im letzten Jahr die Veranstaltung einfach gerockt hat, war in diesem Jahr als Moderator dabei und es gab noch nie so viel zu lachen, wie mit ihm. Unsere Kollegen waren alle wieder unheimlich kreativ und die Präsentationen am Ende des Veranstaltungstages waren der Hammer! Wie es sich für unsere Klausuren gehört, haben wir am Abend auch gefeiert - egal wie schlecht die Stimmung ist, egal wie schlimm alles ist, wir sind Feierbiester. Wie mein Kollege uns bezeichnen würde. Auch hier hatten wir uns einiges überlegt, was den Abend noch interessanter machen sollte - das Wetter hatte uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Regen, Regen, Regen - mit Grillen auf einer der ausladenden Terrassen in unserem Schulungszentrum war es wohl eher nichts. Sehr schade, aber drin ging auch. In diesem Jahr hatten wir die Bar für uns und neben dem Essen war die Atmosphäre richtig gut. Gemütlich und einladend zum Feiern. Angefangen mit einem Cocktail habe ich dem Alkohol gut zugesprochen, aber der Weißwein war auch wirklich gut.
Wir hatten noch ein Spiel vorbereitet, bei dem ich die charmante Assistentin mimte, dementsprechend aufgebrezelt hatte ich mich. Ich sage nur 13 Zentimeter Absätze... Wir haben so gelacht! Der Abend wurde lang und feucht-fröhlich. Glücklicherweise bin ich am Ende auf Wasser umgestiegen und das hat mich wohl vor einem noch größeren Hangover gerettet. Um kurz nach 3 war ich im Bett, bin als Letzte mit zwei Kollegen aus der Bar gefegt worden... Schlaf gab es dann bis gegen 8 Uhr, mit einer Unterbrechung um 6, weil die eifrigen Nachbarn um diese Uhrzeit zum morgendlichen Sport aufgebrochen sind. Seufz.
Neuigkeiten gab es keine, was die Entwicklungen anging. Ich habe ja lange nicht mehr darüber berichtet, obwohl im Mai ja vorhergesagt worden war, dass man endlich DIE Neuigkeiten verkünden würde. Die Versammlung aller Chefs und auch die für uns Mitarbeiter ergab allerdings so gar nichts neues. Man wiederholte, wie viele Stellen man gedenkt abzubauen und wie viel man noch sparen muss. Wie viele Projekte man entwickelt hat und das man JETZT beginnen wird, die Maßnahmen langsam umzusetzen, dass man aber immer noch nicht weiß, wo wie viele Mitarbeiter abgebaut werden müssen. Von daher habe ich nicht mehr darüber geschrieben, denn das wissen wir nun seit einem Jahr.. So konnte auch mein Chef auf unserer Tagung nicht wirklich Neues berichten, außer, dass es in unserem Bereich wohl im August zu den ersten Maßnahmen kommen soll. Nicht wirklich erbaulich, wenn ich ehrlich sein soll. Da das aber schon seit ein paar Tagen für mich bekannt ist, habe ich es schon so hingenommen.
Am Ende des Abends, bevor es zum Feiern ging, hat mein Chef dann verkündet, dass er gehen wird. Nicht ganz weg, aber eben von seiner jetzigen Position. An diesem Tag erfuhren es alle, einige eher, wir anderen dann gemeinsam. Da ich ihm bereits im November gesagt hatte, dass ich es eigentlich - als diejenige, deren Job wirklich direkt an ihm hängt, lässt man mal die Abteilungsleiter weg - gerne erfahren würde, BEVOR es alle anderen erfahren, war ich enttäuscht. Sehr sogar, da ich mich natürlich direkt am Ende des Arbeitsteil damit auseinander setzen musste, dass jeder mich gefragt hat, ob ich mit ihm gehe und ob ich es gewusst hätte. Ätzend!
Mit mir geredet hat er an diesem Tag nicht mehr - es kam den meisten so vor, als würde er mir aus dem Weg gehen. Wir haben nur oberflächlichen Smalltalk ausgetauscht.
Glücklicherweise wußte ich trotzdem bevor er es an diesem Tag verkündet hat Bescheid. Wundert euch bestimmt, aber ich bin manchmal eben einfach.... gut. So konnte ich auf der Arbeitsveranstaltung einfach nur warten, wann er es sagen würde. Natürlich muss ich so tun, als wäre das nicht der Fall, also das ich alles wußte, aber ich war froh, dass es so war, denn so konnte nicht nur abwarten, ob er es mir vorher sagt - Gelegenheit hatte er genug - sondern auch alles schon mal sacken lassen.
8 Jahre arbeite ich nun für ihn. Kenne
Das Jahr bisher war unser miesestes, was die Stimmung anging. Ich habe schon die ganze Zeit gesagt, es wird wohl Zeit, dass wir "geschieden" werden.
Doch nun, wo es soweit ist, immerhin ist es nur noch eine Frage von Wochen, bis er wirklich weg ist, ich denke mal, in spätestens 8 Wochen ist er weg, ist es auch sehr merkwürdig. Veränderung eben. Fühlt sich immer komisch an. Nur bisher hatte ich noch nie so lange ein und den selben Chef, da fiel es immer leichter, zu gehen oder einen neuen Vorgesetzten zu bekommen.
Außerdem, trotz allem was war in den letzten Monaten, was, wenn es schlimmer wird? Wenn jemand kommt, der noch weniger mit Müttern im Job anfangen kann?
Wir werden sehen.
Gestern waren wir kurz ganz alleine im Büro, alle anderen waren noch auf der Tagung. Er hat das Thema nicht angesprochen. Ich sowieso nicht. Ich habe es überspielt.
Am Montag will er sich mit mir zusammen setzen. Was wird er mir sagen? Ich rechne nicht mit etwas Gutem, vielleicht bedeutet sein Weggang auch, dass man mir nahelegt zu gehen.
I have no idea, aber es ist nicht wirklich schön, das Wochenende mit solchen Gedanken zu verbringen.
Wir werden sehen, ich berichte, wie es weitergehen wird.